alles begann mit dem

Point of no return.

Nach Daniel und Karin Bürgis erster Begegnung mit Strassenkindern in Nepal war alles anders. Sie konnten nicht mehr so weiterleben wie bisher. Mit Freunden gründeten sie die Hilfsorganisation Himalayan Life. Heute schützt und fördert Himalayan Life Tausende von Kindern im Himalaya.

 
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Es war nur eine Bananenschale!

Daniel Bürgi erinnert sich:
Ich bin das erste Mal in meinem Leben Strassenkindern begegnet, als ich vor etwa 25 Jahren in Nepal und Indien als Rucksacktourist unterwegs war. Auf dieser Reise hatte ich meine Aufmerksamkeit und den Sucher meiner Fotokamera vollkommen auf den Himalaya konzentriert mit seinen atemberaubenden Gebirgspanoramen, den Gletschern, den tosenden Gebirgsflüssen, den wunderschönen kleinen Bergdörfern und den immer so freundich lächelnden Menschen. Dann passierte es, ganz unerwartet und plötzlich. Es war eine dieser Begegnungen, die wie ein Blitz und das eigene Leben einschlagen und es komplett verändern ...

Ich wollte gerade einen Zug nehmen, als ich auf einmal von einer Horde aus etwa zwanzig zerlumpten Kindern umringt war, die um Essen oder sonst irgendetwas bettelten. Vierzig schmutzige kleine Hände griffen nach mir und zwanzig viel zu erwachsen dreinschauende Augenpaare baten darum, mich ihrer zu erbarmen. In diesem Moment schien die scheinbare Einfachheit des Lebens aus dem Rucksack gar nicht mehr so "einfach" – die Geldbörse unter meinem T-Shirt mit meinem Pass und dem Bargeld brannte wie Feuer auf meiner Haut. Was sollte ich tun? Ihnen Geld geben? Essen für sie kaufen? Ich musste ja den Zug erwischen ... aber ich musste auch irgendetwas tun.

Ich hatte wirklich keine Ahnung, wie ich mich in dieser Situation verhalten sollte.

Vielleicht spürten sie das Gefühlschaos in meinem Herzen, jedenfalls wurden die vierzig Hände immer fordernder und zerrten überall und an allem, was sie erwischen konnten. Ich trug zufällig ausser meinem Rucksack noch eine Plastiktüte bei mir mit einigen halbzermatschten Bananen und Bananenschalen, die ich in irgendeinen Abfallkübel entsorgen wollte. Hilflos wie ich war, liess ich einfach die Plastiktüte fallen! Es funktionierte ... die Kinder liessen mich augenblicklich los.

Was dann passierte, hat sich unauslöschlich in meine Erinnerung eingegraben: Ich blickte kurz über meine Schulter und sah, wie zwanzig Kinder bis aufs Blut um die halbverrotteten Bananen kämpften. Ein Kind hatte eine Bananenschale erwischt und stopfte sie sich schnell in den Mund, bevor es wegrannte. Drei andere Kinder rannten ihm nach.

Um Himmels willen! Es war nur eine Bananenschale!

Ich beschloss, dass ich zu mehr imstande war, als einem hungrigen Kind eine Bananenschale hinzuwerfen. Über zehn Jahre lang verfolgte ich das Ziel dazu beizutragen, dass die Kinder im Himalaya Perspektive und Hoffnung bekommen, dass sie Schutz, Versorgung, Förderung und Bildung erfahren. Wir gründeten eine Organisation. Heute versorgen wir Dutzende von Strassenkindern täglich mit Nahrung. Wir eröffneten ein Heim für verlassene nepalesische Kinder, damit sie nicht zu Strassenkindern werden und ihnen der Horror der Obdachlosigkeit erspart bleibt, des Überlebens mit Essensresten aus dem Abfall, der sexuellen Ausbeutung, des öffentlichen Hasses, der Bandenbrutatlität und der Sucht. Wir konnten Häuser einrichten für Kinder, deren Eltern als Arbeitskräfte verkauft wurden. Mit einer als Sozialunternehmen geführten PET-Recycling-Anlage konnten wir hunderten von Strassenkids eine echte Perspektive für ihr Leben geben und die Chance, aus ihrer schrecklichen Lage herauszukommen. Wir konnten wesentlich zum Wiederaufbau der Dörfer im Yangri-Tal nach den verheerenden Erdbeben von 2015 beitragen. Wir haben ein Schulzentrum für die Kinder in der Yangri-Region gebaut und ermöglichen ihnen damit eine gute Schulbildung.

Für die Kinder im Himalaya einstehen und ganzheitlich für sie zu sorgen – dafür stehen wir mit Himalayan Life. Eine Chance auf Leben für diese Kinder – nicht mehr und nicht weniger!

Dieser Film aus dem Jahr 2012 – leider nur in Englisch verfügbar – gibt Ihnen weitere Informationen über das, was uns bewegt: